Bis heute erinnert eine Gedenktafel an die Anfänge des BASF-Agrarzentrums in Limburgerhof im Jahr 1914: die Erfindung der Ammoniaksynthese durch Fritz Haber und Carl Bosch. Die BASF suchte nach einem Ort, um synthetische Mineraldünger in der Praxis zu testen und den Ernteertrag wissenschaftlich zu optimieren. Noch heute kann man auf der 40 Hektar umfassenden Freifläche die 1927 in Betrieb genommene Lysimeter-Anlage bewundern, mit Erde befüllte Großbehälter, mit deren Hilfe man unter anderem analysieren kann, wie wirksam und umweltverträglich verschiedene Düngemethoden sind.
In Limburgerhof schlägt das Herz des Unternehmensbereichs Agricultural Solutions. Dort erforscht, entwickelt und steuert die BASF Produkte für die Agrarwirtschaft – von chemischen und biologischen Pflanzenschutzmitteln gegen Unkraut (Herbizide), Schadpilze (Fungizide) und Schadinsekten (Insektizide) über Saatgut bis hin zu digitalen Landwirtschafts-Tools.
Diese konnten unsere Clubmitglieder am 17. August 2026 auch live erleben. So werden in Limburgerhof bereits Drohnen getestet, die über Feldern Fotos aufnehmen und diese auswerten. So ist es möglich, erkrankte Pflanzen gezielt mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln, ohne die gesamte Fläche besprühen zu müssen. Auch hier können Drohnen eingesetzt werden. In Asien oder Südamerika ist ein solches Spot-Spraying mit Drohnen schon weit verbreitet, weiß Dr. Martin Schäfer, Leiter Trade & Food Value Chain Affairs. In Deutschland und der EU ist diese Form der Ausbringung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, aber auch von Saatgut, jedoch weitgehend nicht möglich.
Viel Grün, viel Freifläche, landwirtschaftliche Hallen, Gewächshäuser und Versuchsfelder mit 20 Gemüse- und Obstkulturen prägen das Gelände, auf dem die Forschung bereits weitgehend digitalisiert und automatisiert abläuft. Auf Förderbändern bewegen sich kleine Setzlinge durch die Gewächshäuser und werden dort mit unterschiedlichsten Substanzen besprüht. Von der Entwicklung eines Pflanzenschutzmittels bis hin zur Markteinführung, so erfuhren die Clubmitglieder, können mehr als 10 Jahre vergehen und Kosten von mehr als 300 Millionen Euro anfallen. Seit vielen Jahren ist das traditionsreiche Agrargeschäft der BASF eine zuverlässige Cash Cow, die kontinuierlich hohe Gewinne erwirtschaftet. 2025 hat die Sparte fast 2 Milliarden Euro zum operativen Konzerngewinn von 6,6 Milliarden Euro beigesteuert, obwohl der Agrarbereich mit 9,6 Milliarden Euro nur rund 16 Prozent zu den Gesamteinnahmen des Konzerns beitrug.
Nun soll BASF Agricultural Solutions an die Börse gehen. Bis Mitte 2027 sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen sein, berichtete BASF-Vorstand Livio Tedeschi, der seit Anfang Mai 2026 Mitglied des BASF-Vorstands ist und die Gesamtverantwortung für das Agarchemiegeschäft trägt. Wann genau der Börsengang 2027 vonstattengehen wird, ist jedoch noch offen. Man werde schauen, wie sich die Marktbedingungen entwickeln, so Tedeschi. Die rund 14.000 Beschäftigten – darunter 4.450 in Ludwigshafen und Limburgerhof – tragen den neuen Kurs mit. Die Übertrittsquote in die neuen Gesellschaften liegt bei 97 Prozent. Und die Bewertung des Agrarbereichs durch Experten lässt auch optimistisch in die Zukunft blicken: Sie liegt bei rund 20 Milliarden Euro. Die BASF wird jedoch erst einmal Mehrheitsaktionär bleiben.
Seine Aufgabe sieht BASF Agricultural Solutions darin, die Attraktivität landwirtschaftlicher Berufe und vor allem die Effizienz der Agrar-Produktion voranzubringen. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung müsse die Produktion von Lebensmitteln gesteigert werden. Die Antwort auf die Herausforderung in der Landwirtschaft könne nicht Erweiterung der Flächen heißen, sondern Innovation Wie der neue Name des dann börsennotierten Unternehmens sein wird, das hat Tedeschi nicht verraten. Das werde derzeit noch diskutiert.