Schon allein die Location lohnte für zahlreiche Clubmitglieder die Teilnahme. Groß war das Erstaunen, aber auch die Begeisterung, so weit im Norden Mannheims, im Stadtbezirk Sandhofen, ein solches Highlight zu finden. Über 300 Hektar groß ist die Staatsdomäne Kirschgartshausen, die Südzucker seit 1862 vom Land Baden-Württemberg gepachtet hat. Anfänglich ging es hier tatsächlich um Rübenanbau für die Zuckerproduktion. Doch Rüben kauft der Konzern längst vorwiegend bei seinen Vertragslandwirten ein. Rübenanbauer halten fast 65 Prozent der Anteile an dem Konzern. Seit 2018 nutzt Südzucker den Hof für Feldversuche.
Ganz oben auf der Agenda steht dabei nicht nur das Thema „Pflanzenschutz“, sondern auch sinnvolle Fruchtfolgen und Biodiversität. Wie wichtig letzteres ist, zeigt der seit Jahren beobachtete dramatische Rückgang der Insekten, sind diese als Bestäuber für das Überleben vieler Pflanzen doch besonders wichtig. Sechs Meter breite Blühstreifen zwischen den Feldern bieten daher Lebensraum für Insekten und Vögel, aber auch Rehe und Hasen finden hier Schutz. Ausgesät werden mehrjährige Blumen und Gräser, die unterschiedlich hoch wachsen und zu verschiedenen Zeiten blühen.
Doch auch ganz andere Sorgen plagen derzeit die Rübenbauern im Südwesten, so Dr. Peter Risser, Leiter des Versuchsguts, der den über 30 Clubmitgliedern beim Gang über die Felder die Herausforderungen des Zuckerrübenanbaus nahebrachte. Ganz oben auf der Liste steht dabei die Schilf-Glasflügelzikade. Das Insekt überträgt Bakterien, die die Zuckerrüben massiv schädigen, was man an den Miniblättern und einer gummiartigen Konsistenz der Kulturpflanze erkennt. Durch neue Züchtungen versucht man auf dem Versuchsgut in Kirschgartshausen Rübensorten zu finden, die gegen verschiedene Schädlinge resistent sind und die Rübenanbauer entsprechend zu beraten.
Möglichkeiten der Digitalisierung werden in Kirschgartshausen ebenfalls erprobt – auch um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. So konnten die Clubmitglieder den solarbetriebenen „FarmDroid“ eines dänischen Start-ups bei der Arbeit bewundern, der für die automatische Aussaat und Unkrautbekämpfung entwickelt wurde. Von der Aussaat her kennt er die Position jeder Rübenpflanze und weiß genau, wo er harken soll – und wo nicht. Bis auf einen Zentimeter jätet er mit Scherendrähten um die Pflanze herum und schafft es auf diese Weise, die Rüben unkrautfrei zu erhalten. Gerade im Bioanbau, wo noch weitgehend auf die Pflege von Hand gesetzt wird, kann sich ein solcher Vollautomat schon rechnen.
Als Südzucker begann, das Areal zu bewirtschaften, war die Südzucker AG noch gar nicht gegründet. Diese entstand vor genau 100 Jahren mit dem Zusammenschluss von fünf Zuckerfabriken in Frankenthal, Heilbronn, Offstein, Stuttgart und Waghäusel. Doch Zucker ist längst nicht mehr das einzige Geschäftsfeld des Unternehmens. Schon seit vielen Jahren setzt der Konzern auf Diversifizierung. Zucker steuert nur noch 2,8 Milliarden zum Umsatz von 8,4 Milliarden Euro bei. So ist Südzucker mit seiner Tochter Freiberger der größte Pizzahersteller in Europa und den USA. Die Nummer 1 in Europa ist Südzucker auch bei der Herstellung von Ethanol aus pflanzlichen Rohstoffen, das sich etwa in E5- oder E10- Benzin findet. Ein ausführliches Bild des Unternehmens zeichnete der Vorstandsvorsitzende Dr. Niels Pörksen im Anschluss an den Besuch des Versuchsguts, bei dem die Clubmitglieder viel über ein Unternehmen erfahren konnten, das sich vor dem Hintergrund seiner langen Tradition immer wieder neu erfindet und sich zu einem der führenden europäischen Lebensmittel- und Bioenergiekonzerne entwickelt hat.